Seitenverhältnisse

Ein DVD Videostream hat eine Auflösung von 720x480 Punkten. Allerdings sind 720/480 = 1.5 und dies ist ein unakzeptables Seitenverhältnis für einen Film. Und wie steht es mit Fullscreen (Vollbild), Widescreen (Breitbild), Anamorphic usw.?

Viele sind mit diesen Fachbegriffen nicht vertraut und unsicher wie man die Auflösung korrekt ändert. Dieser Artikel versucht einige dieser Fragen zu beantworten.

DAR - oder wie man einen DVD Film wieder richtig aussehen läßt

Jeder MPEG-2 Videostream hat eine DAR (Display Aspect Ratio = Seitenverhältnis) Kennzeichnung. Diese Kennzeichnung sagt dem Player für welches Anzeigegerät der Videostream komprimiert wurde. Es gibt vier Werte: 1:1, 4:3, 16:9 und 2.11:1. Das Erste und das Letzte ist von geringer Bedeutung, da es keine Fernsehgeräte mit diesem Seitenverhältnis gibt. Ein Videostream mit einem DAR von 16:9 ist für ein 16:9 TV vorgesehen, was nicht bedeutet, daß es nicht auch für normale 4:3 Fernseher benutzt werden kann. Umgekehrt gilt natürlich das gleiche für ein DAR von 4:3.

Schauen wir uns das Ganze mal an einem Beispiel an: Austin Powers: International Man of Mystery, R1. Da es sich hierbei um eine amerikanische DVD im NTSC Format handelt hat der Videostream eine Auflösung von 720x480 Punkten (PAL DVDs haben eine Auflösung von 720x576 Punkten. Alles, was hier in diesem Artikel behandelt wird gilt auch für PAL Videostreams, jedoch muß hier bei der Größenanpassung die vertikale Auflösung von 576 Punkten beachtet werden). Auf genannter DVD befinden sich zwei Versionen des Films: eine Widescreen, sowie eine Standard Version. Standard (wird auf dieser DVD auch als Vollbild bezeichnet) ist der Standard für ein 4:3 Fernsehgerät, bei welchem der Film die gesamte Fläche des Bildschirms ausfüllt. Widescreen hingegen bedeutet in diesem Fall 16:9. Der Ausdruck Widescreen sollte eigentlich nicht in diesem Zusammenhang benutzt werden da es zwei verschiedene Widescreenvarianten gibt: Letterboxed Widescreen und Anamorphic Widescreen, beide werden weiter unten genauer erläutert. Nach dem Rippen der DVD kann man die VOB Dateien von der Widescreen Seite der DVD in DVD2AVI laden und man bekommt eine Ausgabe, die folgendermaßen ausschaut:

Dies schaut etwas merkwürdig aus, was an der Auflösung von 720x480 mit dem rechnerischen Seitenverhältnis von 1:1.5 liegt, wohingegen der Film ein tatsächliches Seitenverhältnis von 1:1.85 hat.

Drückt man F5 für eine Voransicht erfährt man in dem Statistikfenster, daß es sich um einen 16:9 Videostream handelt.

Sieht man sich den Film im Software DVD Player an, kommt es zur folgenden Darstellung:

Das sieht schon deutlich besser aus. Die Darsteller sehen nicht mehr horizontal gequetscht und dünn aus. Sie sehen aus wie auf der Kinoleinwand.

Was genau ist hier geschehen? Das Filmstudio hat einen Anamorphic Widescreen Transfer erstellt. Dabei werden die Einzelbilder des eigentlichen Films (wie im zweiten Bild zu sehen) horizontal skaliert, so daß sie der Auflösung der DVD (das erste Bild) entsprechen. Dabei wird das 16:9 DAR Kennzeichen gesetzt, welches den Player dazu veranlaßt beim Abspielen das Ganze wieder zu entzerren.

Mathematisch funktioniert dies wie folgt: Als Ausgang dient ein 720x480 MPEG-2 Videostream. Man multipliziert die vertikale Auflösung mit dem Seitenverhältnis (480*16/9=853 =~850) und erhält die horizontale Auflösung für einen ordentlich skalierten Film. Es wird also der 720x480 Videostream während des Abspielsn auf 850x480 Punkte skaliert. Dies ermöglicht die Ausschöpfung der vollen vertikalen Auflösung der DVD, was für eine größtmögliche Qualität des gespeicherten Videostreams steht.

Wenn man einen Film in einem PC typischen Format komprimieren möchte (wie z.B. DivX) muß man zuerst das Bild entzerren und auf die gewünschte Auflösung skalieren (dies entspricht einem Videostream mit einem DAR von 1:1). Formate für Standalone Player wie VCD und SVCD funktionieren anders; diese haben ebenfalls eine DAR Kennzeichnung (4:3 oder 16:9, wobei letzterer nicht mit allen Playern korrekt funktioniert). Schauen wir uns an, was in diesem Fall getan werden muß. Als ersten Schritt muß man das richtige Seitenverhältnis der DVD Auflösung herausbekommen. Dazu wird das Bild in der Größe angepaßt wie hier gezeigt:

Vergleicht man dieses Bild mit den ersten beiden erkennt man, daß es die gleiche Auflösung hat wie das allererste Bild aber das gleiche (korrekte) Seitenverhältnis wie das zweite. Dieser Vorgang, ein Bild auf DVD Auflösung zu skalieren während das Seitenverhältnis beibehalten wird nennt man Letterboxing. Wie man sehen kann wird weniger von der vertikalen Auflösung genutzt. Das ist ideal für 4:3 Fernsehgeräte da man das Bild in seiner eigentlichen Form anzeigen kann, wohingegen bei einer 16:9 DVD der Player erst einen Letterboxing Transfer vornehmen muß (welches eine leichte, wenn auch kaum merkbare Qualitätseinbuße mit sich bringt). Ist der DVD Player nicht richtig eingestellt (bei 4:3 TV Geräten das Format auf 4:3 oder 4:3 Letterboxed, bei 16:9 TV Geräten das Format auf 16:9 einstellen) kommt es nicht zum Letterboxing und das Bild sieht ähnlich gequetscht aus wie im ersten Bild.

Wichtig zu bemerken ist, daß das Abspielgerät das Letterboxing für eine 16:9 DVD automatisch macht, wenn man diese auf einem 4:3 TV ansieht. Wenn man nun einen solchen Videostream für VCD und SVCD komprimiert, muß dies ebenfalls manuell geleistet werden. Unglücklicherweise ist TMPG das einzige Programm, das eine DAR Wahl des Eingangsvideostreams ermöglicht (Set source aspect ratio im Advanced Settings Menu, und Video arrange Method auf Full screen (keep aspect ratio)). Wenn man nicht mit TMPG arbeiten kann gibt es auch die Möglichkeit mit VirtualDub auf eine kleinere Auflösung als die Zielauflösung zu skalieren und dann schwarze Balken hinzuzufügen (deshalb die Parameter in der CCE Anleitung, die auf den ersten Blick sehr merkwürdig aussehen).

Es gibt zudem auch DVDs mit einem DAR von 4:3, die aber einen Film im Widescreen Format beherbergen. Im Prinzip sollte auf der DVD Letterboxed Widescreen stehen. Diese DVDs sind wie beschrieben gefertigt worden. Schaut man sich diese DVDs auf einem 16:9 TV an wird der Film in beide Richtungen, horizontal und vertikal skaliert, wohingegen bei einem Anamorphic Widescreen Film das Bild nur horizontal skaliert werden muß, was bedeutet, es steht mehr vertikale Auflösung zur Verfügung, was sich in einem besseren Bild äußert. In den Anfängen der DVDs war das Letterboxed Widescreen Transfer Verfahren sehr populär, insbesondere bei US Studios, wohingegen in Europa, wo es mehr 16:9 TVs gibt, 16:9 von Anfang an so etwas wie Standard war. Glücklicherweise sind die meisten DVDs heute 16:9, und nur einige eigensinnige Regisseure und kleine Studios weigern sich auf den 16:9 Transfer umzusteigen.

Nun ist jedoch bekannt, daß sowohl die Auflösung von VCD als auch SVCD nicht 4:3 ist, obwohl der Videostream einen DAR von 4:3 hat. Aber SVCD ist 480x480 und wenn man die oben beschriebene Rechenregel benutzt (480*4/3= 680) ist die resultierende Auflösung 640x480 Punkte, was einem Seitenverhältnis von 4:3 entspricht. Man beachte, daß sich das Video horizontal gequetscht auf der CD befindet und während des Abspielens wieder entzerrt wird. Wenn man den kompletten Frame von einer (S)VCD nimmt, hat er nicht das richtige Seitenverhältnis, womit wir die gleiche Situation wie bei der DVD haben.

Nicht ganz unwichtig zu bemerken: der Windows Media Player kennt normalerweise den DAR nicht (das mag jedoch abhängig sein von den installierten MPEG-2 Filtern). So kann es passieren, daß der WMP das SVCD MPG in der Auflösung 480x480 Punkte abspielt, wobei es natürlich gestaucht aussieht. Gute Player mit SVCD Unterstützung skalieren jedoch korrekt auf das richtige Seitenverhältnis.

Pan & Scan Transfer

Nun ein Blick auf ein trauriges Kapitel der Videogeschichte: Da heutzutage sehr viele Fernsehgeräte im 4:3 Format weit verbreitet sind werden viele Filme als Pan & Scan Kopien veröffentlicht, mit anderen Worten: Sie füllen das Bild aus. Besitzer von 16:9 Geräten haben geradezu eine inbrünstige Abneigung gegen Filme im 4:3 Format. Und nach diesem Artikel deswegen der Appell niemals solche Videos zu kaufen, da es letztlich um qualitativ minderwertigere Produkte handelt. Glücklicherweise sind im Zeitalter der DVDs diese Art von Transfers mehr und mehr im Verschwinden, trotz daß die DVD immer mehr in den Massenmarkt drängt.

Noch einmal einen Blick auf unser Ursprungsbild.

Was bei einem Pan&Scan Transfer geschieht ist, daß ein Teil des Ursprungsbildes, mit einem Seitenverhältnis von 1:1.33 oder 4:3 einfach weggeschnitten wird. Dies wird durch das rote Rechteck im Bild verdeutlicht. Dieses "Fenster" ist nicht statisch, sondern flexibel. Sollte also ein Schauspieler zu einer Seite hin das Bild verlassen wollen, kann ihm dieses Fenster bis zu einem gewissen Punkt folgen. Hier spricht man von dem Pan. In bestimmten Fällen kann das Fenster in das Bild hineinzoomen, man spricht von Scan.

Wie man in dem gezeigten Bild sieht verliert man einen nicht unwesentlichen Teil des Ursprungsbildes bei dem pan&scan Verfahren - in den meisten Fällen ruiniert dies die ursprüngliche Vision des Regisseurs, wie der Film ausschauen soll.

 

 

 


Last edited on: 06/30/2002 (no correction) | German translation by: mne | Content by Doom9.net - The definitive DVD backup resource